Der Helm des Schreckens, isländisch Ægishjálmur, ist eines der bekanntesten isländischen Zauberzeichen. Die heute verbreitete Form besteht gewöhnlich aus mehreren symmetrisch von einem Mittelpunkt ausgehenden Armen, deren Enden dreizackig oder gabelförmig gestaltet sind. Das Zeichen wird häufig auch als „Helm der Ehrfurcht“ oder „Helm des Schreckens“ übersetzt.
In einer isländischen Zauberhandschrift aus der Zeit um 1670 wird vorgeschrieben, den Ægishjálmur auf Blei zu ritzen und vor der Begegnung mit einem Feind zwischen die Augen an die Stirn zu drücken. Das Zeichen sollte dem Anwender Überlegenheit verleihen, den Gegner einschüchtern und zum Sieg führen. Es war demnach kein tatsächlich getragener Helm, sondern ein magisches Schutz- und Machtzeichen.
Der Ausdruck ægishjálmur ist wesentlich älter als die erhaltenen graphischen Darstellungen. In mittelalterlicher altnordischer Literatur bezeichnet er eine Macht oder einen Gegenstand, der Schrecken verbreitet und seinem Besitzer Überlegenheit verschafft. Besonders bekannt ist das Motiv aus der Heldensage um Sigurd und den Drachen Fafnir. Aus diesen älteren Textstellen lässt sich jedoch nicht schließen, dass bereits damals das heute bekannte radiale Zeichen verwendet wurde.
Die erhaltenen Abbildungen gehören in den Zusammenhang frühneuzeitlicher isländischer Zauberbücher. Sie zeigen zudem unterschiedliche Formen und Anwendungsweisen. Eine unveränderte Überlieferung des Zeichens aus der Wikingerzeit ist nicht nachweisbar.
In der Gegenwart wird der Ægishjálmur vor allem als Symbol für Schutz, Mut, Selbstbehauptung und innere Stärke verstanden. Er ist in moderner nordischer Spiritualität und im Paganismus weit verbreitet. Diese heutigen Deutungen können religiös oder persönlich bedeutsam sein, sollten historisch jedoch von der frühneuzeitlichen isländischen Zaubertradition unterschieden werden.
