Der Vegvísir ist ein isländisches Zauberzeichen, dessen Name wörtlich etwa „Wegweiser“ oder „Wegzeiger“ bedeutet. Es besteht aus mehreren unterschiedlich gestalteten Armen, die strahlenförmig von einem gemeinsamen Mittelpunkt ausgehen. Heute wird es häufig als „Wikingerkompass“ bezeichnet und als Symbol für Orientierung und sicheres Reisen verwendet.
Die bekannteste historische Darstellung des Vegvísir befindet sich in der isländischen Handschrift Huld, die 1860 von Geir Vigfússon zusammengestellt wurde. Die dazugehörige Anweisung erklärt, dass der Träger des Zeichens auch bei Sturm und schlechtem Wetter nicht vom Weg abkommen werde, selbst wenn ihm der Weg unbekannt sei. Der Vegvísir war somit ein magisches Schutz- und Orientierungszeichen.
Für eine Verwendung des dargestellten Zeichens in der Wikingerzeit gibt es keine Belege. Ebenso wenig handelte es sich um ein technisches Navigationsinstrument oder um einen mit dem Magnetkompass vergleichbaren Gegenstand. Die verbreitete Bezeichnung „Wikingerkompass“ ist eine moderne romantische Umdeutung.
Der Vegvísir gehört zur späteren isländischen Galdrastafir–Tradition. Seine Gestaltung weist sowohl lokale als auch europäische magische Einflüsse auf. Wie andere Galdrastafir war er ursprünglich nicht notwendigerweise ein allgemein bekanntes kulturelles Symbol, sondern Teil einer handschriftlich überlieferten magischen Praxis.
Heute steht der Vegvísir häufig für Orientierung, Schutz auf Reisen und die Fähigkeit, auch in schwierigen Lebenssituationen den eigenen Weg zu finden. Er wird als Schmuck, Tätowierung und religiöses Symbol verwendet. Diese moderne symbolische Bedeutung ist legitim, muss jedoch von der historisch belegten Herkunft aus einer isländischen Handschrift des 19. Jahrhunderts unterschieden werden.
