A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Eleusinische Mysterien

Verfasst von

in

Die Eleusinischen Mysterien waren einer der bedeutendsten Einweihungskulte der griechisch-römischen Antike. Sie wurden im Heiligtum von Eleusis westlich von Athen zu Ehren der Göttinnen Demeter und Persephone, in Eleusis meist Kore genannt, gefeiert. Ihr zentraler Inhalt war eine geheime Initiation, deren Einzelheiten unter strengem Schweigegebot standen.

Mythologische Grundlage war die Erzählung von der Entführung Persephones durch Hades. Demeter suchte trauernd nach ihrer Tochter und entzog der Erde ihre Fruchtbarkeit. Erst nach einer Vereinbarung mit Zeus durfte Persephone zeitweise zur Oberwelt zurückkehren. Der Mythos verband den Wechsel der Jahreszeiten mit den Themen Verlust, Wiederkehr, Tod und Erneuerung.

Die Einweihung bestand wahrscheinlich aus mehreren Stufen. Den vorbereitenden Kleinen Mysterien bei Athen folgten die jährlich im Herbst gefeierten Großen Mysterien. Zu ihnen gehörten Reinigungen, Fasten, Opfer und eine feierliche Prozession über die Heilige Straße von Athen nach Eleusis. Das Fasten wurde mit dem Kykeon, einem Getränk aus Wasser, Gerste und Polei-Minze, beendet.

Der geheime Höhepunkt fand nachts im Telesterion, der großen Einweihungshalle von Eleusis, statt. Antike Zeugnisse sprechen von heiligen Handlungen, gesprochenen Formeln und gezeigten Kultgegenständen. Was die Eingeweihten tatsächlich sahen und hörten, ist nicht zuverlässig überliefert. Vermutungen über dramatische Aufführungen, geheime Symbole oder psychoaktive Substanzen bleiben spekulativ.

Grundsätzlich konnten Männer und Frauen, Freie und Sklaven sowie Menschen unterschiedlicher Herkunft eingeweiht werden. Ausgeschlossen waren vermutlich Personen, die mit schwerer Blutschuld belastet waren. Die Teilnahme versprach keine Erlösung im späteren christlichen Sinn, wohl aber Hoffnung auf ein günstigeres Schicksal nach dem Tod. Der homerische Hymnos an Demeter bezeichnet denjenigen als glücklich, der die heiligen Riten gesehen habe.

Die Mysterien bestanden über viele Jahrhunderte und wurden auch von zahlreichen Römern besucht. Im Zuge der Christianisierung des Römischen Reiches und nach der Zerstörung von Eleusis am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. erlosch der Kult.

Die Eleusinischen Mysterien verbanden Fruchtbarkeit, menschliche Sterblichkeit, rituelle Gemeinschaft und persönliche Einweihung. Ihr eigentliches „Geheimnis“ bestand vermutlich weniger in einer verborgenen Lehre als in einer religiösen Erfahrung, die nur durch die Teilnahme am Ritual zugänglich war.

Weitere Beiträge