Die Neun Welten sind ein Bestandteil der altnordischen Kosmologie. Mehrere eddische Texte erwähnen neun Welten oder neun Daseinsbereiche, doch die erhaltenen Quellen bieten weder eine vollständige, verbindliche Liste noch eine einheitliche Darstellung ihrer Anordnung. Die heute verbreitete Vorstellung von neun deutlich voneinander getrennten Reichen, die auf verschiedenen Ebenen des Weltenbaumes Yggdrasil liegen, ist deshalb überwiegend eine moderne Rekonstruktion.
In den altnordischen Texten werden zahlreiche kosmische Bereiche genannt. Dazu gehören Asgard, die Welt der Asen, Midgard, der Lebensraum der Menschen, und Jötunheim, das Gebiet der Riesen. Weitere häufig genannte Räume sind Vanaheim, die Heimat der Wanen, Alfheim, das mit den Lichtalben verbunden wird, Muspelheim, die feurige Welt, und Niflheim, ein kalter, nebliger Urraum. Daneben erscheinen Hel als Totenreich sowie unterirdische Bereiche, die mit Zwergen, dunklen Wesen oder Verstorbenen verbunden sind.
Welche dieser Räume genau zu den Neun Welten gezählt werden müssen, ist umstritten. Besonders die Unterscheidung zwischen Niflheim und Hel, zwischen Alfheim und den Bereichen der Zwerge sowie die Stellung von Asgard und Midgard lässt sich nicht aus allen Quellen eindeutig ableiten. Manche modernen Aufzählungen nennen Svartalfheim oder Nidavellir als eigene Welt, obwohl die mittelalterlichen Texte diese Begriffe nicht durchgehend als klar getrennte kosmische Reiche verwenden.
Auch ihre räumliche Anordnung bleibt offen. Die eddischen Gedichte beschreiben den Kosmos mithilfe von Richtungen, Wegen, Grenzen, Wurzeln, Bergen, Flüssen und Umfriedungen. Snorri Sturluson versuchte in der Prosa-Edda, verschiedene ältere Überlieferungen zu einem geordneteren System zusammenzufügen. Dennoch ergibt sich daraus keine vollständige kosmische Landkarte.
Yggdrasil verbindet verschiedene Teile dieser Weltordnung. Die Quellen sagen jedoch nicht ausdrücklich, dass alle neun Welten wie einzelne Ebenen oder Kugeln in seinen Ästen und Wurzeln angeordnet seien. Treffender ist es, die Neun Welten als miteinander verbundene Lebens- und Machtbereiche zu verstehen. Götter, Menschen, Riesen, Tote und andere Wesen bewohnen unterschiedliche Räume, deren Grenzen in Mythen regelmäßig überschritten werden.
Die Zahl Neun besitzt in der nordischen Überlieferung besondere Bedeutung. Odin hängt neun Nächte am Baum, der Gott Heimdall wird mit neun Müttern verbunden, und in verschiedenen Mythen treten Gruppen oder Zeiträume von neun Einheiten auf. Die „Neun Welten“ müssen daher nicht ausschließlich als geografische Zahl verstanden werden, sondern können zugleich symbolische Vollständigkeit ausdrücken.
In modernen Formen nordisch-paganer Religiosität, Fantasy-Literatur und populärer Kultur werden die Neun Welten häufig als festes kosmologisches System dargestellt. Solche Modelle können der Veranschaulichung dienen, sollten aber nicht mit einer historisch eindeutig belegten Weltkarte der vorchristlichen nordischen Religion gleichgesetzt werden.
