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Edda

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Als Edda werden zwei zentrale Werke der altnordisch-isländischen Literatur bezeichnet: die Lieder-Edda, eine Sammlung anonymer Götter- und Heldengedichte, und die Prosa-Edda, ein mittelalterliches Lehrbuch über Mythologie und Dichtkunst, das überwiegend dem isländischen Gelehrten Snorri Sturluson zugeschrieben wird. Beide Werke gehören zu den wichtigsten Quellen für die nordische Mythologie. Sie bilden jedoch weder ein einheitliches Buch noch eine verbindliche „Heilige Schrift“ der vorchristlichen Religion.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Edda ist ungeklärt. Der Name bezeichnete zunächst wahrscheinlich nur Snorris Werk. Erst in der Neuzeit wurde er auch auf die Sammlung der eddischen Gedichte übertragen. Die älteren Bezeichnungen „Jüngere Edda“ für die Prosa-Edda und „Ältere Edda“ für die Lieder-Edda sind missverständlich, da die wichtigste Handschrift der Gedichtsammlung jünger ist als Snorris Werk, auch wenn viele der darin enthaltenen Stoffe und Dichtungen älteren Ursprungs sein können.

Lieder-Edda

Die Lieder-Edda, auch Poetische Edda genannt, ist eine Sammlung von Gedichten verschiedener Verfasser und Entstehungszeiten. Ihr bedeutendster Überlieferungsträger ist der um 1270 in Island niedergeschriebene Codex Regius. Die einzelnen Lieder können jedoch auf wesentlich ältere mündliche und schriftliche Traditionen zurückgehen.

Der erste Teil der Sammlung enthält mythologische Gedichte über die Götter, die Entstehung und Ordnung der Welt, Weisheitslehren und Ragnarök, den Untergang der Götterwelt. Zu den bekanntesten Texten gehört die Völuspá, in der eine Seherin von der Weltschöpfung, den Schicksalen der Götter und einer möglichen Erneuerung der Welt berichtet. Das Hávamál verbindet Lebensregeln, Spruchweisheiten und magisches Wissen; darin findet sich auch Odins Bericht über sein neuntägiges Opfer am Weltenbaum, durch das er die Runen erlangt.

Weitere Gedichte schildern Wissenswettkämpfe, Göttergelage und mythische Abenteuer. In der Þrymskviða muss Thor sich als Braut verkleiden, um seinen gestohlenen Hammer zurückzugewinnen. Die Lokasenna berichtet von einem Fest, bei dem Loki die anwesenden Gottheiten verspottet und ihre Verfehlungen offenlegt.

Der zweite Teil der Lieder-Edda umfasst Heldengedichte. Im Mittelpunkt stehen Gestalten wie Sigurd der Drachentöter, Brynhild, Gudrun, Gunnar und Atli. Diese Überlieferungen gehören zu einem weiteren germanischen Sagenkreis und weisen Verbindungen zur deutschen Nibelungentradition auf, unterscheiden sich jedoch in Handlung und Figurenzeichnung deutlich von ihr.

Die eddischen Gedichte beruhen meist auf Stabreim und festen rhythmischen Formen. Ihr genaues Alter ist oft nicht festzustellen. Sie entstanden vermutlich in einem längeren Zusammenspiel von mündlicher Überlieferung, dichterischer Neugestaltung und schriftlicher Bearbeitung.

Prosa-Edda

Die Prosa-Edda, auch Snorra-Edda genannt, entstand wahrscheinlich im frühen 13. Jahrhundert. Sie wird Snorri Sturluson zugeschrieben und war vor allem als Lehrbuch für Skalden, die Dichter des mittelalterlichen Nordens, bestimmt. Da die skaldische Dichtung zahlreiche mythologische Umschreibungen verwendete, musste Snorri die zugrunde liegenden Götter- und Heldengeschichten erklären.

Die Prosa-Edda besteht gewöhnlich aus einem Prolog und drei Hauptteilen. Der Prolog ordnet die heidnischen Götter in ein christliches Geschichtsbild ein und stellt sie teilweise als außergewöhnliche Menschen dar, die später für Götter gehalten worden seien.

Die Gylfaginning bietet eine zusammenhängende Darstellung der nordischen Mythologie. Sie behandelt unter anderem die Weltschöpfung, Odin, Thor, Loki, Balder, Yggdrasil, den Fenriswolf, die Midgardschlange und Ragnarök. Das Skáldskaparmál erklärt die Bildsprache der Skalden, insbesondere die als Kenningar bezeichneten dichterischen Umschreibungen. Das Háttatal beschreibt und demonstriert zahlreiche Versmaße und dichterische Formen.

Bedeutung

Die Eddas sind die wichtigsten literarischen Quellen zur nordischen Mythologie und zur altnordischen Dichtkunst. Viele heute bekannte Erzählungen über Odin, Thor, Loki und andere Gestalten sind vor allem durch sie überliefert.

Sie geben die vorchristliche Religion jedoch nicht unmittelbar und unverändert wieder. Beide Werke wurden im christlichen mittelalterlichen Island aufgezeichnet und durch Dichter, Schreiber und Gelehrte gestaltet. Widersprüche zwischen einzelnen Texten können auf unterschiedliche regionale, zeitliche oder soziale Überlieferungen hinweisen.

In Literatur, Kunst, Musik, Fantasy und modernem germanischem Neuheidentum wirken die Eddas bis heute fort. Ihre moderne religiöse oder kulturelle Verwendung ist jedoch stets eine gegenwärtige Interpretation mittelalterlich überlieferter Texte.

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