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Runen stellen

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Runen stellen, auch Runen-Yoga, Runengymnastik oder Staðagaldr genannt, ist eine moderne esoterische Körperpraxis, bei der Menschen mit Armen, Beinen und Rumpf die Formen einzelner Runenzeichen nachbilden. Die Stellungen werden häufig mit Atemübungen, Runengesang, Visualisation oder Meditation verbunden. Ziel ist meist, sich auf die symbolische Bedeutung einer Rune zu konzentrieren oder eine vermeintliche „Runenkraft“ körperlich erfahrbar zu machen.

Für eine solche Praxis in der germanischen Antike oder im Mittelalter gibt es keine historischen Belege. Runen waren ursprünglich Schriftzeichen, die auch in magischen und religiösen Zusammenhängen verwendet werden konnten. Das systematische Nachstellen ihrer Formen mit dem Körper entstand jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert in der deutschsprachigen Runenesoterik und Ariosophie.

Als wichtigste Begründer gelten Friedrich Bernhard Marby und Siegfried Adolf Kummer. Sie entwickelten in den 1920er und 1930er Jahren Übungen, die völkische Runenmystik mit Lebensreform, Freikörperkultur, Atemtraining und westlichen Vorstellungen von Yoga verbanden. Der Körper wurde dabei als eine Art „Antenne“ verstanden, die kosmische oder runische Kräfte aufnehmen sollte. Die ursprünglichen Lehren waren eng mit rassistischen Vorstellungen von „arischem“ Erbe, Blut und Abstammung verbunden.

Nach 1945 verbreitete besonders Karl Spiesberger eine von offen rassistischen Aussagen weitgehend bereinigte Form der Runengymnastik. Später wurde sie durch Autoren wie Edred Thorsson unter der Bezeichnung Staðagaldr in internationale esoterische und germanisch-neuheidnische Milieus eingeführt. Dabei wurden häufig die Zeichen des älteren Futhark anstelle der von Guido von List geschaffenen Armanen-Runen verwendet.

Im modernen Heidentum wird Runenstellen unterschiedlich bewertet. Manche verstehen es als verkörperte Runenmeditation, als Ergänzung zu Runengesang oder als spirituelle Selbsterfahrung. Andere lehnen es wegen seiner unhistorischen und völkisch-rassistischen Herkunft ab. Eine historisch reflektierte Anwendung sollte daher deutlich machen, dass Runen-Yoga eine moderne Neuschöpfung ist, seine ideologischen Ursprünge offenlegen und jede Verbindung von Spiritualität mit „Rasse“, Blut oder Abstammung ausdrücklich zurückweisen.

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