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Yggdrasil

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Yggdrasil ist der Weltenbaum der altnordischen Mythologie und eines ihrer zentralen kosmologischen Sinnbilder. In den eddischen Quellen erscheint er meist als gewaltige Esche, deren Äste sich über die Welt ausbreiten und deren Wurzeln in verschiedene Bereiche des Kosmos reichen. Unter seinen Zweigen versammeln sich die Götter zum Gericht, an seinen Wurzeln liegen heilige Quellen, und zahlreiche Tiere leben auf, unter und in dem Baum.

Der Name Yggdrasill wird gewöhnlich als „Ross des Yggr“ gedeutet. Yggr, „der Schreckliche“, ist ein Beiname Odins, während drasill „Pferd“ oder „Ross“ bedeutet. Der Name wird häufig mit Odins Selbstopfer im Hávamál verbunden: Odin hängt neun Nächte lang, von einem Speer verwundet, an einem Baum und erlangt dadurch die Kenntnis der Runen. Der Baum wird in diesem Abschnitt nicht ausdrücklich Yggdrasil genannt, die spätere Überlieferung setzt beide jedoch eng miteinander in Beziehung.

Nach Snorri Sturlusons Prosa-Edda besitzt Yggdrasil drei mächtige Wurzeln. Eine reicht zu den Göttern, eine zu den Riesen und eine nach Niflheim. Mit ihnen sind der Urdbrunnen, Mímirs Brunnen und die Urquelle Hvergelmir verbunden. Am Urdbrunnen wohnen die Nornen Urd, Verdandi und Skuld. Sie bestimmen das Schicksal und benetzen den Baum mit Wasser und hellem Schlamm, um ihn zu erhalten. Mímirs Brunnen birgt Weisheit; Odin opfert eines seiner Augen, um daraus trinken zu dürfen.

Yggdrasil ist zugleich Lebensraum und Ort fortwährender Gefährdung. In seiner Krone sitzt ein Adler, zwischen dessen Augen der Habicht Veðrfölnir hockt. Das Eichhörnchen Ratatoskr läuft am Stamm auf und ab und übermittelt beleidigende Botschaften zwischen dem Adler und dem Drachen Nidhögg. Vier Hirsche fressen an den Zweigen, während Nidhögg und weitere Schlangen an den Wurzeln nagen.

Der Weltenbaum verkörpert daher keine starre und unzerstörbare Weltordnung. Er wird ständig beschädigt, zugleich aber von den Nornen gepflegt. Beim Ragnarök gerät Yggdrasil ins Wanken, ohne dass seine vollständige Vernichtung eindeutig überliefert wäre. Möglicherweise steht er auch mit dem Überleben von Líf und Lífþrasir und der Erneuerung der Welt in Verbindung.

In modernen nordisch-paganen Religionen wird Yggdrasil häufig als Symbol der Verbundenheit aller Wesen, der kosmischen Ordnung und der Beziehung zwischen sichtbaren und unsichtbaren Welten verstanden. Solche Deutungen knüpfen an die mittelalterlichen Quellen an, stellen jedoch gegenwärtige religiöse Weiterentwicklungen dar.

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