Als Heldenreise bezeichnet man ein von dem amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell beschriebenes Grundmuster mythischer und religiöser Erzählungen. Campbell stellte es 1949 in seinem Werk The Hero with a Thousand Faces (Der Heros in tausend Gestalten) vor und bezeichnete es auch als Monomythos. Nach seiner Auffassung weisen zahlreiche Mythen, Sagen und Märchen unterschiedlicher Kulturen eine vergleichbare Erzählstruktur auf.
Die Heldenreise besteht grundsätzlich aus drei Phasen: Aufbruch, Initiation und Rückkehr. Zunächst verlässt die Hauptfigur ihre vertraute Welt, meist ausgelöst durch einen Ruf zum Abenteuer. Dieser Ruf kann zunächst verweigert werden. Häufig erscheint eine helfende oder wegweisende Gestalt, bevor der Held die Schwelle zu einer unbekannten Welt überschreitet.
In der Phase der Initiation muss er Prüfungen bestehen, begegnet Verbündeten und Gegnern und durchlebt eine entscheidende Krise. Diese kann als symbolischer Tod und anschließende Wiedergeburt verstanden werden. Als Ergebnis erlangt der Held eine besondere Erkenntnis, Fähigkeit oder Gabe, die Campbell als den „höchsten Segen“ bezeichnet.
Anschließend kehrt der Verwandelte in die gewöhnliche Welt zurück. Dort soll das Errungene nicht nur ihm selbst, sondern auch seiner Gemeinschaft zugutekommen. Die Heldenreise beschreibt daher neben einem äußeren Abenteuer vor allem einen Prozess innerer Veränderung, Reifung und Selbsterkenntnis.
Campbells vollständiges Modell umfasst 17 mögliche Stationen, die jedoch nicht in jeder Erzählung vollständig oder in derselben Reihenfolge auftreten. Die heute besonders verbreitete Fassung mit zwölf Stationen geht auf den Drehbuchautor Christopher Vogler zurück und ist eine vereinfachte Weiterentwicklung des Campbell’schen Modells.
Die Theorie der Heldenreise beeinflusste Literatur, Film, Psychologie und moderne Spiritualität. Sie wird jedoch auch kritisiert, da sie sehr unterschiedliche kulturelle Überlieferungen vereinheitlicht und teilweise von männlich geprägten Rollenbildern ausgeht.
