Ein Chant ist ein kurzer, rhythmisch gesprochener oder gesungener Text, der meist mehrfach wiederholt wird. Der englische Begriff geht über das Französische auf lateinisch cantare („singen“) zurück. Je nach Zusammenhang kann er mit „Sprechgesang“, „Ruf“, „Wechselgesang“ oder „ritueller Gesang“ übersetzt werden.
Typisch sind eine leicht erlernbare Melodie, wenige Textzeilen und ein gleichmäßiger Rhythmus. Chants können einstimmig, als Kanon oder nach dem Prinzip von Call and Response ausgeführt werden, bei dem eine vorsingende Person und die Gruppe einander abwechseln. Auch Trommeln, Klatschen, Tanz und andere rhythmische Bewegungen können hinzukommen.
Im modernen Paganismus werden Chants unter anderem in Wicca, Reclaiming, Göttinnenspiritualität und neodruidischen Ritualen verwendet. Sie können der Sammlung der Teilnehmenden, der Anrufung von Gottheiten oder Elementen, der Begleitung einer Prozession sowie dem Ausdruck einer gemeinsamen Absicht dienen. Durch Wiederholung und zunehmende Intensität soll häufig „Energie aufgebaut“ oder ein gemeinschaftlicher Höhepunkt erreicht werden. Religionswissenschaftlich lässt sich dies als Verbindung von Konzentration, emotionaler Aktivierung und sozialer Synchronisierung beschreiben.
Ein Chant wird vor allem durch seine Vortragsweise bestimmt. Er kann religiös oder weltlich sein und ist nicht mit einem Mantra, Hymnus oder einer Beschwörung gleichzusetzen. Viele heute verbreitete pagane Chants sind moderne Kompositionen. Eine schlicht oder archaisch wirkende Form ist daher kein Beleg für ein vorchristliches Alter.
