Alexandrian Wicca ist eine initiatorische Tradition des modernen Wicca, die in den 1960er-Jahren in Großbritannien im Umfeld von Alex Sanders und Maxine Sanders entstand. Gemeinsam mit dem Gardnerian Wicca gehört sie zum sogenannten British Traditional Wicca. Historisch beruht sie wesentlich auf gardnerianischen Ritualformen, entwickelte jedoch einen stärker zeremoniell-magischen und esoterischen Schwerpunkt.
Die Bezeichnung „Alexandrian“ setzte sich Anfang der 1970er-Jahre durch. Sie verweist einerseits auf Alex Sanders, andererseits symbolisch auf Alexandria als antikes Zentrum von Wissen und Magie. Sanders’ Behauptung, bereits als Kind von seiner Großmutter in eine alte Hexentradition eingeweiht worden zu sein, gilt historisch als widerlegt. Religionswissenschaftlich wird Alexandrian Wicca daher als moderne religiöse Neuschöpfung des 20. Jahrhunderts verstanden.
Im Zentrum stehen gewöhnlich eine Göttin und ein Gott, häufig in Gestalt einer Mond- oder Muttergöttin und eines gehörnten Gottes. Ihre genaue theologische Deutung ist nicht einheitlich festgelegt. Naturzyklen, Mondphasen, Geburt, Tod und Erneuerung spielen ebenso eine wichtige Rolle wie persönliche Transformation und magische Erfahrung.
Die Praxis findet meist in kleinen, eigenständigen Gruppen statt, die als Coven bezeichnet werden. Rituale werden in einem symbolisch gezogenen Kreis vollzogen und umfassen Gebete, Invokationen, Meditation, magische Arbeit und die Feier der acht Jahreskreisfeste sowie der Mondfeste. Typisch ist die Verbindung wiccanischer Rituale mit Elementen westlicher Zeremonialmagie, Kabbala, Planetenmagie und weiteren okkulten Systemen.
Alexandrian Wicca kennt traditionell drei Initiationsgrade. Als Angehöriger der Tradition gilt im engeren Sinn nur, wer durch eine entsprechende Initiationslinie aufgenommen wurde. Teile der Lehre und Ritualpraxis werden ausschließlich innerhalb dieser Linien weitergegeben.
Vom Gardnerian Wicca unterscheidet sich Alexandrian Wicca vor allem durch die stärkere Betonung zeremonieller Magie und systematischer okkulter Schulung. Die Grenzen zwischen beiden Traditionen sind jedoch fließend. Durch die öffentliche Tätigkeit von Alex und Maxine Sanders sowie durch Autoren wie Stewart und Janet Farrar wurde Alexandrian Wicca international bekannt und beeinflusste auch eklektische und allein praktizierende Formen des modernen Wicca.
Heute besteht die Tradition aus zahlreichen selbstständigen Coven und Initiationslinien. Eine zentrale Leitung oder weltweit verbindliche Lehrinstanz existiert nicht.
