Earth-centred religion – amerikanisch earth-centered religion, deutsch etwa erdzentrierte Religion, erdbezogene Religion oder erdzentrierte Spiritualität – bezeichnet religiöse und spirituelle Strömungen, in denen die Erde, die Natur und die Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Mitwelt den zentralen Bezugspunkt bilden.
Der Begriff benennt keine einheitliche Religion mit festgelegten Glaubenssätzen. Er wird vor allem als Sammel- und Selbstbezeichnung innerhalb des modernen Paganismus verwendet, etwa in Teilen von Wicca, Druidentum, Göttinnenspiritualität, Animismus und naturalistischem Paganismus. Gemeinsam ist diesen Richtungen die Auffassung, dass die Erde nicht nur eine materielle Umwelt oder Ansammlung von Ressourcen ist, sondern einen eigenen religiösen, heiligen oder grundlegenden Wert besitzt.
Erdzentrierte Religionen verstehen den Menschen gewöhnlich als Teil eines umfassenden Beziehungsgeflechts aus Landschaften, Tieren, Pflanzen, Gewässern, Jahreszeiten und anderen Lebensformen. Das Heilige wird daher häufig innerhalb der erfahrbaren Welt gesucht: in natürlichen Kreisläufen, bestimmten Orten, Körperlichkeit, Geburt, Wachstum, Tod und Erneuerung.
Die konkreten Glaubensvorstellungen können sehr unterschiedlich sein. Manche Strömungen betrachten die Erde als Göttin oder lebendiges Wesen, andere verehren Naturgottheiten, Ahnen oder Ortsgeister. Wieder andere verzichten auf übernatürliche Wesen und verstehen die wissenschaftlich beschreibbare Natur selbst als Quelle von Ehrfurcht, Sinn und religiöser Erfahrung.
Typische Ausdrucksformen sind Jahreskreisfeste, Rituale an Naturorten, Naturbeobachtung, Meditation sowie die symbolische oder direkte Verehrung von Erde, Sonne, Mond, Gewässern und anderen Naturerscheinungen. Häufig ist damit eine ökologische Ethik verbunden, die den Schutz von Lebensräumen und nichtmenschlichen Wesen als religiöse Verantwortung versteht.
Der Begriff sollte jedoch nicht unkritisch auf historische oder indigene Religionen übertragen werden. Diese besitzen eigene Kosmologien und Selbstbezeichnungen, die durch pauschale Begriffe wie „Naturreligion“ verdeckt werden können.
Zusammengefasst bezeichnet earth-centred religion eine religiöse Orientierung, in der die Erde und die lebendige Mitwelt als heilig, sinnstiftend oder religiös grundlegend gelten und der Mensch als Teil dieser Mitwelt verstanden wird.
